Körper ohne Willen
Was bleibt vom menschlichen Körper, wenn seine äußere Erscheinung reproduziert wird, seine Selbstbestimmung jedoch vollständig entfällt?
Für die 2018 entstandene Serie borDOLL fotografierten GOTT&GILZ lebensgroße Sexpuppen in einem Dortmunder Puppenbordell. Die künstlichen Frauenkörper waren mit Namen und individuellen Erscheinungsbildern versehen und konnten für einen begrenzten Zeitraum gemietet werden. Ihre Gestaltung orientierte sich an unterschiedlichen Schönheitsidealen und sexuellen Fantasien.
Die Fotografien zeigen Körper, die menschliche Nähe suggerieren, ohne selbst ein menschliches Gegenüber zu sein. Ihre Erscheinung ist auf Erwartungen ausgerichtet, denen sie weder zustimmen noch widersprechen können. Zwischen der Simulation von Individualität und der tatsächlichen Eigenschaft als Gebrauchsgegenstand entsteht ein grundlegender Widerspruch.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Oberflächen dieser künstlichen Körper.
Gebrauchsspuren, Beschädigungen und materielle Unregelmäßigkeiten unterbrechen die Illusion körperlicher Perfektion. Sie lassen eine Nutzungsgeschichte erahnen, ohne deren Umstände offenzulegen.
Die fotografische Auseinandersetzung eröffnet zugleich eine weitere Perspektive: Indem GOTT&GILZ die Puppen aus ihrem funktionalen Umfeld herauslösen und als Bildgegenstand inszenieren, wird auch der fotografische Blick selbst Teil der Untersuchung. Er dokumentiert nicht nur, sondern gestaltet eine neue Form der Sichtbarkeit.
borDOLL beschäftigt sich mit der Konstruktion von Körperbildern und dem Verhältnis von menschlicher Vorstellung und künstlicher Erscheinung. Die Serie berührt Fragen nach Begehren, Kontrolle und der Reduktion des Körpers auf seine Verfügbarkeit.
borDOLL – pXXy PORN
2018 · 36 Seiten · 29 Motive
15 × 15 cm
ISBN 978-3-00-061633-4